Der Umzug

Ich bin umgezogen. Das bin ich schon oft. Aber noch nie hat mich ein Umzug so gefordert wie dieses eine Mal. Da blieb keine Zeit mehr für Blogartikel.

Nun melde ich mich zurück mit diesem Blog, der meinen Kindern gewidmet ist.

Die Vorbereitung

Wir sind das erste Mal als Paar ohne Kinder umgezogen. Das Haus, in dem wir als Familie lange Zeit gewohnt hatten, war verkauft worden und unsere Zeit dort ging zu Ende. Eigentlich freute ich mich sehr auf eine kleinere, überschaubarere, pflegeleichtere, neue Wohnung. Das Räumen und Packen war zwar eine intensive und kräfteraubende Angelegenheit, doch hatte es auch eine reinigende Wirkung. Als Paar mussten wir uns entscheiden, was wir noch mitnehmen und was in eine Brockenstube gehen würde. Unsere Kinder mussten ebenfalls entscheiden, welche Dinge aus ihrer Kindheit sie noch in ihre Wohngemeinschaften mitnehmen wollten und von welchen sie sich trennen konnten. Das war ein langer, auch etwas aufwühlender Prozess.

Nach so vielen Jahren mit Familie konnten wir es uns aber auch gut vorstellen, wieder einmal alleine als Paar zu wohnen. Ich stellte mir vor, dass wir viel mehr Ordnung und Übersicht haben würden und unser kleines Paradies ganz nach unseren Vorstellungen einrichten und gestalten konnten.

Der Umzug

Die Woche des Umzugs kam, und es bemächtigte sich meiner eine Unruhe, eine Trauer und auch Angst. Das kannte ich aus früheren Umzügen nicht. Was war da los mit mir?

Der Tag des Umzugs kam und die Kinder mit ihren Freunden packten mit an. Ich war so froh, dass sie alle dabei waren. Nach getaner Arbeit setzten wir uns gemeinsam an einen von einer lieben Freundin reich gedeckten Tisch und genossen unser soziales Dasein.

Angekommen?

Als sich dann die Wohnung leerte und wir allein zurückblieben in der fremden Umgebung, kam Heimweh, Trauer und eine leichte depressive Verstimmung auf. Wie sehr fehlte uns unsere Familienwohnung. Wie komisch war es, dass die Kinder hier keine Zimmer mehr hatten, ihre Sachen nicht da und sie hier nicht zuhause waren. Und auch unseren zwei jüngeren Kindern ging es ähnlich.

Wir sind nun eine gute Woche am neuen Wohnort. Ich fühle mich immer noch sehr fremd hier und habe manchmal das Gefühl, völlig entwurzelt zu sein.

Unsere Kinder und auch unser kleines Grosskind waren in dieser Woche schon öfters da und scheinen sich wohl zu fühlen. Wenn sie da sind, verschwindet bei mir, meinem Mann und auch bei unseren verstörten Katzen das Gefühl des Fremdseins. Wo also die Familie ist, da bin ich zuhause.

Neue Fragen

Das wirft bei mir nun neue Fragen auf, mit denen ich mich bis heute nicht beschäftigt habe:

  • Wäre es für alle Beteiligten einer intakten Familie mit hohem Bindungsgrad das Beste, wenn es ein Elternhaus gäbe, wo viele Erinnerungen der Familie sichtbar sind?
  • Wäre es sinnvoll, wenn die Familie sich immer dort treffen könnte, wo sie die meiste Zeit verbracht hat?
  • Wäre es gut, ein Generationenhaus zu kaufen bzw. zu mieten, wo alle Familienmitglieder, die darauf Lust haben, gemeinsam wohnen könnten? Das würde heissen, dass die Wohnungen von den Familienmitgliedern genutzt werden könnten aber nicht müssten. Darin könnten auch immer wieder andere Menschen wohnen, die Familienanschluss wünschen?

Diese Fragen tauchen neu auf und bewegen mich. Natürlich gibt es keine allgemein gültigen Antworten auf diese Fragen. Das muss von jeder Familie individuell geklärt werden.

Meine Aufgabe ist es jetzt, hier heimisch zu werden, die Nachbarn, welche aus vielen Ländern der Welt stammen, besser kennenzulernen, sich mit der Umgebung und den Menschen hier vertraut zu machen. Eine weiteres Ansinnen ist es, diese schöne Möglichkeit, so ganz alleine mit meinem Partner zu wohnen, in vollen Zügen zu geniessen und trotzdem die kleine Wohnung so gross zu machen, dass sie jederzeit als Einladung an die Kinder gilt.

Danke

Lieber Lee, lieber Nayan, liebe Niki

Ich danke euch ganz herzlich für die vergangene Familienzeit und freue mich auf neue Formen des Zusammenseins. Ich bin so dankbar, dass es euch gibt!

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