Wir Kinder aus Bullerbü – Ein kindergerechtes Leben

Eines meiner Lieblingsbücher ist „Wir Kinder aus Bullerbü“. Manchmal lese ich Bücher aus früheren Zeiten oder Biografien von Menschen, die früher gelebt haben. Dann bin ich immer wieder fasziniert davon, welch eigenständiges Leben die damaligen Kinder gehabt haben. Vielleicht bin ich unter anderem deshalb so begeistert von Astrid Lindgrens Kinderbuch „Wir Kinder aus Bullerbü“. Natürlich kann man einwenden, dass damals die Kindheit auf dem Land noch heiler und nicht so vielen negativen Einflüssen ausgesetzt war.  Trotzdem plädiere ich auch heute dafür, die Kinder in Ruhe zu lassen.

Leider ist es heute so, dass vielerorts keine Umgebung mehr da ist, um eine unbeschwerte Kindheit erleben zu können. Auch gelten Kinder in unserer Gesellschaft als Störfaktoren und Quellen der Unruhe und des Lärms. Die Toleranz Kindern gegenüber ist dürftig. Wir sind es gewöhnt, Kinder sehr früh in Institutionen abzugeben, wo sie professionell betreut werden. So versorgt, sind sie unsichtbar und stören nicht.

Heute setzen sich sehr viele Leute dafür ein, dass Tiere artgerecht gehalten werden, damit sie ihr Naturell leben können und gut sozialisiert werden. Doch bei Kindern geschieht dieser Prozess seltsamerweise nicht. Wo finden sich die Fürsprecher für kindergerechte Umgebungen in den Städten? Die meisten der Spielplätze, die ich sehe, deprimieren mich. Und überall sind Eltern, die ihre Kinder beobachten.

Mein Vater hat Jahrgang 1934. Er erzählt mir oft von seiner Kindheit. Er ist in einem Dorf an einem See aufgewachsen. Ständig war er als 4 – 5 jähriger Knabe mit seinem vier Jahre älteren Bruder und vielen Kindern aus dem Dorf unterwegs. Was die dort so alles getrieben haben…….. Wenn ich ihm zuhöre, dann stellen sich mir die Haare zu Berge. Und doch haben alle überlebt. Es schien, dass die Eltern sehr grosses Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer noch kleinen Kinder gehabt haben. Vieles, wovon er erzählt, erinnert mich an die Bullerbü Kinder. Und dann spüre ich, dass das eine Sehnsucht in mir weckt.

Ich bin davon überzeugt, dass die heutige Überwachung der Kinder zu Unmündigkeit führt. Die Kinder haben weniger Selbstbewusstsein, sind sich ihrer Fähigkeiten weniger oder gar nicht bewusst und bleiben länger unselbständig. Ein Problem, das durch die Dauer der heutigen obligatorischen Schulzeit gefördert wird.

Also, liebe Eltern: Lest „Wir Kinder aus Bullerbü“, sucht eine kindergerechte Wohnumgebung für eure Kinder, schert euch nicht um Konventionen, habt Vertrauen in die Fähigkeiten eurer Kinder und lasst sie einfach in Ruhe!

 

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