Ein erneuter Versuch einer Schulreform?

„Stell Dir vor, es ist Schule, und alle gehen hin“

Das ist  der Titel des „Der Bund“-Essay-Wettbewerbs“ („Der Bund“ ist eine Berner Tageszeitung): Schule gestern, heute und morgen – ein gesellschaftspolitischer Dauerbrenner.
Die Idee dahinter ist, dass Leute ein Essay schreiben, ob sie gerne zur Schule gegangen sind, ob sie etwas fürs Leben gelernt oder sie als Zwangsaufenthalt empfunden haben.

Grundsätzlich befürworte ich solche Diskussionen, besonders weil in diesem Fall auch die Frage aufgeworfen wird, ob die Volksschule ein Auslaufmodell sei.

Warum ärgert mich dieser Wettbewerb trotzdem?

Weil ich befürchte, dass es wiederum nur um die Frage der Schulreform geht. Und dieses Thema langweilt mich schon längst!

Schulreformen hat es schon immer gegeben und wird es, solange die Schule besteht, auch immer geben. Hat sich die Schule dank der Reformen also immer zum Bessern entwickelt?
Mitnichten.  (Ich diskutiere diese Frage gerne mit Fans des heutigen Schulsystems).

Nun weist die Neurobiologie und auch die Pädagogik seit Jahren darauf hin, dass die Schule als Institution lernen oft verhindert, blockiert und stört. Und es gibt seit Jahren immer mehr Freilerner auf dieser Welt, die zeigen, was lernen wirklich bedeutet und dass wirkliches Lernen eigentlich nur in Freiheit geschehen kann. Auch wissen wir längst, dass so genannt „freie Schulen“ meistens auch nicht funktionieren, weil sie eben Schulen sind. Mit dem Begriff „Schule“ sind so viele Glaubenssätze verbunden, dass es das Verhalten der Insassen, der Lehrer oder Betreuer und der Eltern dahin gehend moduliert. Das ist der wesentliche Grund, warum auch diese freien, alternativen Schulen meist nicht funktionieren.

  • Also warum nicht auf die vielen Freilernerinnen und Freilerner schauen, die zeigen, wie es geht?
  • Warum nicht Modelle entwickeln, welche freies Lernen ohne Institution ermöglichen.

Wie das aussehen könnte, hat Ivan Illich bereits 1991 in seiner Streitschrift „Entschulung der Gesellschaft“ gezeigt. Wenn wir dann noch die technische Entwicklung, die seither den Informationsaustausch und die Kommunikation weltweit so einfach gemacht hat, einbezögen, dann stände einer freien Bildung nichts mehr im Weg.

Dass eine freie Bildung heute immer noch bekämpft wird, hat mit längst überholten Glaubenssätzen zu tun, die in unserer Gesellschaft tief verankert sind. Unsere verschulte Gesellschaft kann sich Bildung ohne Institution leider nicht mehr vorstellen.

Die Lösung?

Jeder einzelne Freilerner trägt dazu bei, diese Dogmen aufzuweichen und wer weiss: Vielleicht geht es plötzlich ganz schnell. Und solche Diskussionen, wie die Schule von heute aussehen müsste, werden obsolet.

Vielleicht werde ich ein Essay schreiben……..

 

 

 

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