Lernen von Emmi Pikler

Ich bin eine begeisterte Anhängerin der ungarischen Kinderärztin, Emmi Pikler (gestorben 1984). Obwohl ihre Schriften längst bekannt waren, als ich mein erstes Kind bekam, stiess ich erst auf sie als, meine Kinder bereits grösser waren. Leider. Ihr Wissen, das sie aufgrund ihrer grossen Erfahrung mit Säuglingen und Kindern vermitteln konnte, hätte mir gerade beim ersten Kind viel Kummer erspart. Nun, da ich bald Grossmutter werde, ist es an der Zeit, ihre Lektüre wieder hervor zu nehmen und sich darin zu vertiefen. Und wieder bin ich begeistert über die Fülle der praktischen Erfahrung, die sie darin mitteilt.

Und wenn wir unten stehenden Text lesen, der davon spricht, wie Kleinkinder, die nicht gestört und belehrt werden, erfolgreich lernen, dann müssen wir uns folgende Frage stellen:

  • Wie kann es dann sein, dass die Gesellschaft davon ausgeht, dass ältere Kinder nicht mehr fähig sein sollten, ohne Belehrung zu lernen?
  • Warum gehen wir heute davon aus, dass Kinder mit vier oder fünf Jahren unbedingt interniert und belehrt werden müssen?

Lesen wir unten stehenden Text, befassen wir uns mit den Forschungen Emmi Piklers und denken wir nach!

Emmi Pikler

 „Wesentlich ist, dass das Kind möglichst viele Dinge selbst entdeckt. Wenn wir ihm bei der Lösung aller Aufgaben behilflich sind, berauben wir es gerade dessen, was für seine geistige Entwicklung das wichtigste ist. Ein Kind, das durch selbständige Experimente etwas erreicht, erwirbt ein ganz andersartiges Wissen, als eines, dem die Lösung fertig geboten wird.“ (Friedliche Babys-Zufriedene Mütter, Emmi Pikler, Seite 73)

Im Weiteren beschreibt sie dann, wie ein Kind lernt, eine Türe zu öffnen und zu schliessen. Die Beschreibung ist sehr ausführlich und der Leser begreift, welch ungeheuerlicher Lernprozess da im Gang ist. Emmi Pikler schreibt dazu: „Was alles musste es beobachten, erproben und lernen, bis es so weit kam!“

Sie beschreibt, wie viel Geduld das Kind dazu braucht, diesen Lernprozess zu durchlaufen, eine Türe öffnen und schliessen zu können. „Grenzenlose Freude und Stolz erfüllen das Kind, wenn es alleine, ohne Hilfe zur Lösung gelangt (Friedliche Babys-Zufriedene Mütter, Emmi Pikler, Seite 74)

Lassen wir also dem Kleinkind die Freiheit, mit seiner eigenen Methode und seiner Entwicklung gemäss seine Umwelt zu erfahren. Drängen wir es nicht, ermutigen wir es nicht zu Leistungen, für die es noch nicht reif ist, und wenn ihm etwas gelingt, loben wir es auch nicht übertrieben. Würdigen wir eher die erreichten Ergebnisse, und nicht nur mit lobenden Worten, sondern auch in unserem Verhalten“ (Friedliche Babys-Zufriedene Mütter, Emmi Pikler, Seite 75)

Danke, Emmi Pikler.

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