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Ein Freilerner-Morgen

Ein Freilerner-Morgen

Ich stand gemütlich auf. Mein Mann war schon zur Arbeit gefahren. Am Tag zuvor war ich bei der Arbeit und freute mich nun auf den Tag mit den Kindern. Als erstes ging ich zu unseren meckernden, hungrigen Zwergziegen, die gefüttert werden wollten. Auch die Hühner und Kaninchen bekamen ihr Futter und unsere Labradorhündin schnüffelt unterdessen in der Gegend rum.

Danach ging ich ins Haus, um mir einen Kaffee zu brauen. Ich hoffte, dass die Kinder noch etwas schlafen, damit ich in Ruhe die Zeitung lesen konnte. Der Älteste war schon auf den Beinen. Er machte sich bereit, um mit dem Velo 7 Kilometer nach Thörishaus zu fahren, wo er jeden Mittwochmorgen in ein Malatelier ging. Dort malte er dann zwei Stunden mit vier Hausfrauen und trank danach mit ihnen Tee. Das war das Highlight für ihn, da er bei den Gesprächen der Frauen so viel über das Leben aufschnappen konnte.

Ich trank also genüsslich meinen Kaffe und las die Zeitung. Da schlurfte der zweite Sohn daher, schnappte sich ein Comics und setzte sich noch ganz verschlafen an den Tisch. Gemütlich lesend nahm er sein Frühstück ein. Kurze Zeit später tauchte auch die Jüngst auf. Auch sie nahm sich ein Buch und setzte sich an den Tisch, um zu frühstücken. So sassen wir lange lesend beisammen.

Anschliessend wollte ich ins weiter weg gelegene Dorf einkaufen gehen. Der mittlere Sohn hatte keine Lust mitzukommen. Er wollte mit unserem Labrador einen seiner langen Spaziergänge machen. Meine Tochter wollte mitkommen, das sie noch Zutaten für einen Kuchen brauchte, den sie am Nachmittag backen wollte. Auch konnten wir den Einkauf nutzen, um noch kurz in der Bibliothek vorbei zu schauen. Danach fuhren wir in Thörishaus vorbei, um den ältesten Sohn samt Fahrrad aufzuladen. Er fuhr zwar immer mit dem Velo zum Malen, war aber froh, wenn er abgeholt wurde, da der ganze Heimweg steil bergauf ging. Manchmal hatte er Lust auf die sportliche Leistung. Oft war er froh, um den Taxidienst. Unterwegs erzählte er natürlich, was er wieder alles aus dem Leben der Hausfrauen erfahren hatte. Unsere Tochter spitzte dabei immer die Ohren, um ja nichts zu verpassen.

Als wir zurück kamen, trabte auch gerade unsere Hündin um die Ecke, um sich müde in ihren Korb zu legen. Unser Sohn war immer noch auf dem Spaziergang. Es kam öfters vor, dass er sich völlig in seinen Gedanken verlor und nicht merkte, dass ihn sein Hund schon verlassen hatte und auf dem Heimweg war. Meistens tauchte er dann einige Zeit später auch zuhause auf.

Und schon war wieder ein Morgen vorbei. Das Schöne an diesen Morgen war immer diese Ruhe. Da war keine Hektik, kein Stress, kein Vorwärtseilen und Hetzen. Alle konnten in ihrem Rhythmus erwachen, aufstehen und den Tag beginnen. Welcher Luxus!

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