Resilienz, der Weg zur Stärke

„Resilienz bedeutet psychische Widerstandskraft; die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. Das bedeutet, dass ein Kind mit täglichen Herausforderungen umgehen, auch unerfreuliche Erfahrungen meistern und Probleme lösen kann.“

Das ist doch genau das, was wir uns für das Leben unserer Kinder wünschen: Resilienz

Erfahrung

Ich persönlich musste aber die Erfahrung machen, dass sich unsere Gesellschaft nicht an Resilienz sondern am Defizit orientiert. Ein Kind wird dauernd verglichen; sei es mit den Geschwistern, dem Nachbarskind, den anderen Schulkindern und auch den Kindern der Freunde. Kann es schon krabbeln wie der Nachbarsohn? Spricht es schon gleich viele Wörter wie die Cousine? Kann es schon sitzen wie die Tochter der Freundin? Sobald ein Kind in die Schule kommt, wird der Fokus auf die Defizite verstärkt. Ziele müssen erreicht werden. Alle beteiligten Erwachsenen starren auf die Ziellinie. Erreicht ein Kind diese nicht in der vorgeschriebenen Zeit, bekommt es ein Problem. Es genügt nicht. Das Kind hat ein Defizit, das schleunigst behoben werden muss.

Natürlich werden in der Schule auch die Stärken besprochen. Doch der Fokus bleibt auf dem Defizit. Eine zielorientierte Schule (das sind fast alle) muss das Defizit beheben. Die Stärken sind begrüssenswert, nehmen aber nicht so viel Raum und Aufmerksamkeit ein, wie die Schwächen.

9 Grundsätze zur Resilienzentwicklung

  1. Empathie als Wundermittel: Versuch dein Kind wirklich zu verstehen. Was sagt es dir, wenn es Wutanfälle hat, lügt oder stiehlt. Was fehlt ihm? Was braucht es von den erwachsenen Bezugspersonen. Strafe es nicht für sein Verhalten, sondern verstehe dein Kind und hilf ihm.
  2. Sei ein gutes Vorbild. Zeige deinem Kind, wie du konstruktiv Probleme löst und mit anderen Menschen lösungsorientiert kommunizierst.
  3. Vermittle deinem Kind, dass es an Problemlösungsprozessen aktiv teilnehmen kann. Wenn sich zwei Kinder streiten, dann musst du zwar als Erwachsener dabei sein und Hilfestellung geben, lasse die Kinder aber den Streit wenn möglich selber lösen. Je öfters sie das selbständig bewältigen können, desto kompetenter und resilienter werden sie in Konfliktfällen. Diese Kompetenz vermittelt ein Gefühl der Partizipation, der Fähigkeit und verhindert, den Gefühlen und den anderen ausgeliefert zu sein.
  4. Ideal ist, wenn die Eltern als Team wahrgenommen werden: Das bedeutet nicht, dass die Eltern immer einer Meinung sein müssen. Es bedeutet aber, dass sich die Eltern absprechen, Konsens finden und sich auseinandersetzten.
  5. Sei ein Vorbild für Gelassenheit und Entspannung. Kinder beobachten ihre Eltern sehr genau und reagieren besonders auf Stimmungen und Haltung.
  6. Welche Auseinandersetzungen mit dem Kind sind wirklich nötig? Wenn ich Eltern beobachte, dann staune ich immer wieder, worüber diese mit ihren Kindern streiten. Meistens scheint es mir unnötig zu sein. Da geht es immer irgendwie um Konsequenz oder Machtausübung. Also gibt es Sinn, sich zu fragen, wofür sich die Auseinandersetzung wirklich lohnt.
  7. Lasse dein Kind vieles selber erfahren. Du kannst dich aufregen, wenn dein Kind im Winter die Jacke nicht anzieht. Doch ist es für das Kind sehr viel sinnvoller, selber zu erfahren, wann es kalt hat und wann heiss. Dein Temperaturempfinden entspricht meistens nicht dem des Kindes. Also nimm die Jacke mit, damit das Kind diese anziehen kann, wenn es merkt, dass es friert. Nur so kann es ein eigenes Gefühl für sich entwicklen und Resilienz lernen. Natürlich lässt du kein Verhalten zu, das das Kind ernsthaft gefährden würde. Dafür bist du verantwortlich.
  8. Versuche, dich deinen Erwartungen an das Kind bewusst zu werden und von diesen Abstand zu nehmen. Dein Kind wird es dir danken, wenn es zu dem Menschen werden kann, der es ist und nicht zu dem, den du dir vorstellst.
  9. Interessiere dich echt dafür, was dein Kind macht und dir erzählt. Ich bin sicher, dass das die effektivste Art ist, Resilienz entwickeln zu helfen.

 

Empfehlenswert: Das Resilienz-Buch, Wie Eltern ihre Kinder fürs Leben stärken, Robert Brooks, Sam Goldstein, Klett-Cotta

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