1. Ausgangslage

Als wir mit dem Freilernen begannen, hatte es in der Schweiz kaum Freilernfamilien. Die Handvoll Familien, welche wir kennen lernten, verfolgten einen strikten Lehrplan oder schickten ihre Kinder nach einer gewissen Zeit wieder zur Schule. Wir waren sehr alleine und hatten kaum Unterstützung. Mein Mann und ich blieben zwar beide berufstätig, doch übernahm ich den grösseren Teil der Kinderbetreuung. Die Erfüllung meiner Bedürfnisse hatte keine Priorität. Obwohl ich Freude an den Kindern hatte und das Freilernen total spannend fand, tauchte doch immer wieder die Frage auf:

2. Wo bleiben meine Bedürfnisse?

3. Gerne gebe ich dir meine erprobten 6 Tipps weiter:

  1. Suche andere Freilernfamilien in der Umgebung und organisiere mit ihnen zusammen die Betreuung der Kinder. Sie haben nämlich ähnliche Probleme wie du und werden froh für das Angebot sein.
  2. Definiere in schriftlicher Form deine Bedürfnisse. z.B. Ich möchte wieder berufstätig sein, ich möchte Zeit haben, um mir regelmässig Kleider zu nähen, ich möchte eine Stunde täglich auf dem Sofa liegen und lesen können, ich möchte noch eine Ausbildung machen…
  3. Betrachte eine deiner Durchschnittswochen und schau, ob da nicht Raum vorhanden ist, um wenigstens einen Teil deiner Bedürfnisse zu erfüllen.
  4. Falls kein Raum vorhanden ist, überlege ganz konkret und ebenfalls in schriftlicher Form, wie du dir diese Zeit nehmen kannst.
    Zum Beispiel:
    Die Kinder sind alt genug, dass sie sich täglich eine Stunde ohne meine aktive Präsenz beschäftigen können. Ich bespreche das mit ihnen und treffe eine Vereinbarung. Ich organisiere eine regelmässige externe Betreuung mit der jungen, 16 jährigen Gymnasiastin, welche ein Taschengeld verdienen möchte. Ich richte es so ein, dass wenn das eine Kind am Mittwochnachmittag im Theaterclub ist, das andere in dieser Zeit ebenfalls einer externen Aktivität nachgeht. Ich biete meiner Nachbarin an,  abwechslungsweise die Kinder zu hüten …
  5. Wenn du dann den schriftlichen Schlachtplan hast, dann gehe gezielt daran, die Ideen umzusetzen, die Menschen anzufragen, die Daten  verbindlich zu organisieren.
  6. Deine Aktivitäten sind genau so wichtig, wie die Arbeit deines Mannes oder die Betreuung der Kinder. Trage sie in die Familienagenda ein. Sie werden nur für echte Notfälle fallengelassen.

3. Anmerkungen

Die Zeit für deine Bedürfnisse wird dir in den wenigsten Fällen einfach so geschenkt! Das braucht eine Planung, eine klare Absicht und einen Durchsetzungswillen. Deshalb ist es so wichtig, dass du dir in schriftlicher Form klar wirst über deine echten Bedürfnisse und wie du deren Erfüllung umsetzen willst. Die schriftliche Form zwingt dich zur Klarheit und wirkt verbindlich.

Erlaube mir noch eine Bemerkung: Wenn deine Kinder noch sehr jung sind, versuche, nicht zu viel für dich selbst zu wollen. Das bringt nur Stress. Geniesse, wenn möglich, diese doch recht kurze Zeit mit deinen kleinen Kindern und sei dir bewusst, dass mit jedem Altersjahr deines Kindes dein Freiraum wächst.

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