Alte Schule – neue Schule: ein Vergleich

Alte Schule

In meinem letzen Blog habe ich über die Pisa-Studie geklagt, die gerade in Asien zu einem ungeheuren gesellschaftlichen Leistungsdruck geführt hat. Aber auch wir im Westen sind nicht davon verschont. Manchmal erinnere ich mich an meine Schulzeit zurück und vergleiche diese mit der heutigen Schullandschaft. Ich wurde während der Grundschule in einer 30 -Kopf -Klasse unterrichtet. Die Klasse war sehr heterogen und alle Kinder fanden da ihren Platz. Es gab da so genannt auffällige Kinder, die aber gut in das Gruppengefüge passten. Die ganz intellektuellen Gescheiten sogen aus dem Stoff alles heraus und wuchsen daran. Die weniger Intellektuellen sassen oft ganz hinten im Klassenraum, liessen die Schule über sich ergehen und hatten nach der Schule die Möglichkeit, sich ihren Begabungen zu widmen.

Die Schule gab dem Individuum nicht so viel Bedeutung, sondern ausschliesslich dem Schulstoff. In einer so grossen Klasse war es dem Lehrer unmöglich, sich auf jedes einzelne Kind zu beziehen. Dadurch wurden auch nicht so viele Kinder pathologisiert. Ein Kind, das in der dritten Klasse noch nicht still sitzen konnte, galt als lästig aber normal. Ein Kind, das in der vierten Klasse noch nicht richtig lesen konnte, wurde nicht für die Sekundarschule vorgeschlagen, galt jedoch als normal.

Neue Schule

Ich will diese Schulzeit überhaupt nicht schön reden. Da wurde noch brachial diszipliniert, mit Drill gelernt und sicher nicht jeder Lerntyp berücksichtigt. Und trotzdem schien diese Schule humaner als die heutige. Diese hat die Leistung des einzelnen Kindes im Fokus. Das Kind ist in dauernder Beobachtung und Bewertung. Da gibt es kein Untertauchen mehr in einer grossen Klasse; ein Verschwindenkönnen und Durchatmenkönnen. Auch ist die Stoffmenge so ausgeweitet, dass für das individuelle Lernen in der Freizeit keine Zeit mehr zur Verfügung steht.  Ich meine mit individuellem Lernen, dass die Kinder in der Freizeit das machen können, was sie wirklich interessiert.

Nun wird uns aber in unserer heutigen Welt fast mantramässig eingetrichtert, dass eine sichere Zukunft ausschliesslich mit einem guten Schulabschluss zu erreichen ist. Alles ist auf das Werden ausgerichtet. Dem Sein wird keine Bedeutung mehr gegeben. Doch die Welt ist so unsicher wie schon lange nicht mehr, und wir haben keine Ahnung, was wir heute den Kindern und Jugendlichen beibringen sollten, damit sie in 20 Jahren sicher Jobs, eine geordnete Gesellschaft und sozialen Frieden haben werden.

Ich bin davon überzeugt, dass es sinnvoller ist, den Kindern heute die Möglichkeit zu bieten, sich frei zu bilden, ihren Interessen nachzugehen, sich lustvoll mit Themen zu befassen und besonders viel Zeit zur Musse zu haben. Lassen wir ihnen das Sein. Unterstützen und begleiten wir sie in ihrem Sein. Und hören wir auf, sie ununterbrochen zum Werden hin zu bewegen.

 

 

 

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